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Vita Rezensionen – Tristan Boedecker

Prof. Dr. Wolfgang Rother

Dresden, 31. Januar 2011

Der Maler und Grafiker Tristan Boedecker:

Zu den Wurzeln, die Menschen prägen und Halt vermitteln, zählen immer auch Herkunft und frühe Erfahrungen. So wurden bei Tristan Boedecker bereits im Elternhaus die ersten Grundlagen für sein späteres künstlerisches Schaffen gelegt. Das kann nicht verwundern: Sein Großvater war der bekannte Maler und Grafiker Curt Winkler, Schüler von Otto Dix und Robert Sterl, die Grafikerin Gisela Boedecker ist seine Mutter. In einem solcherart musischen Umfeld aufgewachsen, hat der 1968 in Dresden geborene Tristan Boedecker seine weitere Qualifizierung über einen sich ständig vertiefenden Ausbildungsweg erworben.

Während der Schulzeit war die Mitarbeit in einem Mal- und Zeichenzirkel bestimmend, nachhaltige Anregungen erfuhr er im Kurs von Prof. Gerhard Stengel. 1984 erfolgte dann ein einjähriger Besuch der Förderklasse an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, an den sich von 1985 bis 1988 quasi als Fortsetzung das Abendstudium anschloss. In diesen Kursen, als Grundlage für ein späteres Kunststudium angelegt, gewann er wegweisende Impulse und neue Blickrichtungen für sein malerisches und grafisches Schaffen.

Parallel dazu erlernte er in zweijähriger Lehre den Beruf eines Maschinenbauzeichners. 1994 folgte schließlich ein Direktstudium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden im Studienfach Theatermalerei. Aus dieser Zeit ist mir Herr Boedecker durch die Teilnahme an meinen Lehrveranstaltungen im Fach Architekturgrundlagen und durch Gespräche bekannt. Mein besonderes Augenmerk galt der Auseinandersetzung mit der Problematik Raum und Körper in der gebauten Umwelt, vor allem dem Erkunden von Möglichkeiten ihrer Darstellung. Tristan Boedeckers erbrachte Studienleistungen ließen schon damals ein ernsthaftes Herangehen und sensibles Einfühlungsvermögen erkennen. Dem Studium folgten verschiedene Praktika. Nebentätigkeiten und eine bis heute reichende Lehrtätigkeit an der Volkshochschule mit diversen Kursangeboten.

Seine eigentliche künstlerische Weiterentwicklung erfolgte jedoch autodidaktisch. Von der Bühnenmalerei kommend, nutzte er zunehmend eigene künstlerische Sprachmittel, in deren Unmittelbarkeit der Mut reifte, diese kreativ in einem weit gefächerten Repertoire zu nutzen. Die künstlerischen Aufgaben reichen vom Stillleben über die Darstellung regionaler Landschaften und historischer Architektur bis zur Figur und zum Porträt. Als Ausdrucksmittel dienen ihm die gängigen Techniken: Öl-, Acryl-, Tempera- und Aquarellmalerei sowie Kreide-. Kohle- und Bleistiftzeichnung.

Seine Bilder verdeutlichen eine in Jahren gewachsene eigenständige Entwicklung. So stellt sich dennoch wie selbstverständlich die Frage nach Vorbildern. Neben den alten Meistern nennt Boedecker die Impressionisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie namhafte Vertreter der klassischen Moderne. Seine frühe Betrachtungsweise verändert sich dadurch bald zugunsten der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Stilrichtungen und vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten vorhergegangener Epochen.

Diese werden von Tristan Boedecker eigenständig kompensiert, indem er wichtige Erkenntnisse in seine Werke einfließen lässt. Sie inspirieren ihn zu individuellen Farbgestaltungen und zu einem eigenen Malstil — nach seinen Worten _zum eigenen Farbensehen und zur Grundkonstruktion eines Gemäldes, sie beeinflussen die Farbfindung und Vitalität. Die Kraft des Erlebens fließt sozusagen in die Pinselstriche. Dabei ist in seinen Bildern eine breit gefächerte Zuordnung von Farbstimmungen zu beobachten, die er sich in unterschiedlicher Herangehensweise erarbeitet hat und auf die er immer wieder zurückgreift. Er bevorzugt eben die malerischen Werte und feinen Modulationen der Farbe. Malerisch — verstanden als Sinn für proportioniertes Hell-Dunkel, breit strömend, immer gut abgestimmt.

Seine Bilder fallen auf durch ihre Tonwerte und die expressive Farbintensität. Besonders die Landschaftsbilder zeigen ein elementares Unterscheidungsvermögen für Tonabstufung. Die Farbschichten der in verschiedenen Techniken entstandenen Bilder verraten einen wechselhaften, durch ständige Korrekturen bestimmten Prozess, in dessen Verlauf alles an seinen Platz gelangt. Die Spannung bei der Bildfindung ist dabei nicht zu übersehen — auch, dass dies bei ihm oft ein langwieriger Prozess sein kann.

Obwohl Tristan Boedecker beim Malen und Zeichnen nicht direkt vor der Natur arbeitet, erkundet er dennoch sensibel deren Gesetzmäßigkeiten. In der künstlerischen Arbeit lässt er sich von intensiv gelebten Augenblicken, vom Ausdruck seines erlebten Empfindens in verschiedenen Situationen und Gemütsverfassungen leiten und macht durch seine Kunst — ausgehend vom Augenerlebnis — auf oft Gesehenes aufmerksam. Er verarbeitet, wie er selbst sagt, „das klare Erleben und die Analyse innerer Vorgänge“, wobei ihm beispielsweise „die Vielschichtigkeit der Landschaft hilft, Elemente und Bildkonstruktionen in verschiedenen Situationen zu entwickeln“. Aus der malerischen Sicht des Künstlers wächst also die Neugier auf wesentliche Zusammenhänge und Strukturen der Umwelt, die ihn zur künstlerischen Verdichtung anregen. Sicherlich gilt auch hier, was Cézanne über die tiefere Malerei“ sagte: „Man hat noch nicht entdeckt, dass die Natur mehr in der Tiefe liegt als an der Oberfläche.“

Schon früh konzentrierte sich Tristan Boedecker auch auf die klassischen Ausdrucksmittel der Handzeichnung. Vor allem diese lässt die Handschrift des Künstlers, seine Inspiration, das Bildformen. am unmittelbarsten nachvollziehen. Zeichnerische Mittel bleiben für ihn ideale Möglichkeiten, da sie jederzeit zur Verdichtung abgerufen werden können. AugenPällig ist jedoch immer die Hinwendung zur Malerei. Seine Fähigkeit, den Blickwinkel zu ändern, ist dabei die Voraussetzung für ein komplexes Arbeiten. In dieser Beharrlichkeit, Situationen immer wieder auch anders erleben zu können, liegt sein Schlüssel zur eigenen Poesie. Dabei bleibt er stets auf der Suche nach seinen Möglichkeiten und einer der Form gerecht werdenden Übersetzung. Seine vorliegenden Arbeiten bieten dem Betrachter nicht nur einen repräsentativen Überblick über den gegenwärtigen Stand seines Schaffens als Maler und Zeichner, sondern gestatten darüber hinaus tiefere Einblicke in verschiedene Gestaltungsweisen und Themenkreise.

Dr. phil. Axel Schöne

Kunstwissenschaftler

Fachbereichsleiter Kunst, Volkshochschule Dresden

Zur künstlerischen Tätigkeit von Tristan Boedecker

Herr Tristan Boedecker hat seit 2004 fur die Volkshochschule Dresden zahlreiche Kurse „Acrylmalerei — Lasurmalerei und Spachteltechnik“ , „Ölmalerei kompakt“ sowie ,Perspektivisches Skizzieren“ erfolgreich geleitet Im Zentrum der Kurse stehen die Vermittlung gestalterischer Grundlagen und die Erarbeitung bildnerischer Ausdrucksmöglichkeiten. Darüber hinaus geht es Herrn Boedecker darum. die Teilnehmer schrittweise zu schöpferischen Leistungen und zur Entdeckung ihrer eigenen Kreativität anzuregen.

Tristan Boedecker ist ein vielseitiger Maler, sowohl technisch als auch stilistisch.

Er gestaltet Porträt und Landschaft. in Zeichnung und Malerei, aber auch komplexere und abstrafterende Kompositionen. In Boedeckers Arbeiten fließen Anregungen aus der Kunstgeschichte ebenso ein wie moderne, mediale Seherfahrungen Landschaften sowie Stadtlandschaften, besonders von Dresden und Umgebung. spielen in seinem Schaffen eine dauerhafte Rolle. Sie sind häufig expressiv empfunden und zeigen eine lebendige. stimmungsgeladene Farbigkeit.

In jüngster Zeit schuf Tristan Boedecker auch großformatige (Prominenten-) Porträts Diese ausdrucksstarken Bilder versuchen Charakteristika und Wesenhaftes der Dargestellten (durch die Wahl der künstlerischen Mittel wie Farbe, Duktus. Proportionen) zu veranschaulichen Darüber hinaus überlagert in diesen Gemälden die Subjektivität der künstlerischen Sicht ein allgemeines Zeitempfinden. Tristan Boedecker ist ein wandlungsfähiger Künstler, der die Impulse der Gegenwart mit den ihm wichtigen traditionellen Werten der Malerei verbindet und damit auf diese Weise Eigenes schafft.

Dr: Axel Schöne, Dresden 28. August 2012

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